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MKs – wo bin ich zu Hause? - Beitrag von Andrea Pflaum ( Übersetzt von Oliver Hauck)

An zwei Orten zu Hause

In Kenia das Internat

Eigentlich habe ich zwei Zuhause, eins in Kenia und eins in Sambia!

Neun Monate im Jahr verbringe ich im Internat einer amerikanischen Oberschule in Kenia, also rund 2 500 Kilometer entfernt von meinem Zuhause in Sambia. Die Schule „Rift Valley Academy“ (RVA) liegt 2 500 Meter über dem Meeresspiegel und bietet einen wunderschönen Blick auf das „Rift Valley“ (Rift-Tal), nach dem die Schule benannt ist, und dem großen Vulkan unten im Tal. Nachdem ich die meiste Zeit des Jahres im Internat wohne, sollte es irgendwie mein Zuhause sein, oder? Ein Internat als Zuhause? Es klingt vielleicht komisch, aber ich bin gerne in der Rift Valley Academy. Wir sind eine große, glückliche Familie von 500 Schülern (die meisten sind Missionarskinder wie ich) aus über 24 verschiedenen Nationen und ungefähr 100 Mitarbeitern aus den USA und Kanada. Alles ist sehr amerikanisch geprägt: der Unterricht,
das intensive Sportprogramm, das Essen, die Studenten (alle kleiden sich wie in Amerika und haben einen amerikanischen Akzent). Die RVA ist seit 1999 mein Zuhause, und ich liebe jeden Tag, den ich hier verbringe. Ich habe tolle Freunde aus aller Welt und nette Lehrer. Ich liebe Sport über alles, und gerade deshalb ist die RVA ein Paradies für mich. Wir haben Schulmannschaften, und wenn man fit und gut genug ist, darf man mitspielen. Ich bin in der Frauen-Basketball-Mannschaft, in der Frauen-Fußball- und Frauen-Volleyball-Mannschaft, die Spielsaison wechselt alle drei Monate. Fußball ist mein absoluter Lieblingssport. Wir haben jeden Tag etwa zwei Stunden intensives Training, jede Woche spielen wir gegen Mannschaften aus anderen Oberschulen und samstags sind Turniere.

Ich habe eine Menge Spaß an der RVA, dazu gehört der Unterricht, mit Freunden etwas unternehmen, verschiedene Sportarten, auf Schulausflügen Ostafrika erkunden und die Möglichkeit, sehr viel über Gott und die Bibel zu lernen. Die Schule ist mein Zuhause! So komisch es auch immer klingen mag, ich werde die RVA sehr vermissen, wenn ich am 16. Juli meinen Abschluss mache.

In Sambia die Familie

Sambia ist aber auch mein Zuhause! Ich bin 1986 in Sambia geboren und dort aufgewachsen. Damals war es mein einziges Zuhause. Sambia wird immer mein Zuhause sein, mehr als Kenia oder irgendein anderes Land. Seit 1991 lebt unsere Familie in Musenga, einem von der Landwirtschaft geprägten Gebiet im Busch. Wenn ich an zu Hause denke, fällt mir als erstes Musenga ein. Ich werde es immer als Zuhause in Erinnerung behalten.

Zu Hause ist dort, wo meine Mutter, mein Vater und meine Geschwister sind, wo ich mich wohl fühle, wo
mir alles vertraut ist, wo ich aufgewachsen bin. Sambia ist mein Zuhause – die Menschen, die Landschaft, das Klima, alles, sogar die kleinen Dinge: zum Beispiel der Linksverkehr, die Schlaglöcher, die schlammigen oder staubigen, sandigen, ungeteerten Straßen, die Märkte, Dörfer, Ameisenhügel und Felsen so groß wie Ferienhäuser, das Fahren in großen Allradautos und das Fliegen mit kleinen Buschflugzeugen, einfach das Leben in der afrikanischen Kultur.

Zu meinem Zuhause gehört auch das grüne Hoftor in Musenga, auf dem ein Hundekopf aufgemalt ist und die Aufschrift „Chenjeleni Nembwa“ (in Bemba: „Vorsicht! Hund!“). Das alte englische Farmhaus, von dem man auf ein kleines Tal und einen Fluss schaut. Das Bellen der großen Hunde (Rottweiler, Dobermänner, Dänische Doggen), die beachtet werden möchten (wir haben Hunde aus Sicherheitsgründen). Die Hasen, Meerschweinchen, Schildkröten und unsere kleine Antilope „Timba“. Das kleine Zimmer, dass ich mit
meiner Schwester teile, in dem die Geckos die Wände hoch und runter laufen und wo ich sie morgens
durch mein Moskitonetz beobachten kann. Der große grüne Garten mit vielen Blumen, Büschen und Palmen. Nshima und Kapenta (sambisches Essen), große saftige Mangos, schwere Gewitter, bei denen man schreien muss, um sich unterhalten zu können. Der Geruch des afrikanischen Regens, eines heißen sonnigen Tages, Stromausfälle, große Buschfeuer, nächtliche Geräusche, Scharen von Ameisen, die im Haus oder draußen angreifen. Auf den kleinen Buschpfaden joggen oder Fahrrad fahren durch das hohe Elefantengras. All die Vögel und Insekten, die Wildblumen und die kleinen freundlichen sambischen
Kinder, die „abasungu, abasungu“ (weiße Menschen) rufen, wenn sie einen sehen. Und die überwältigenden sambischen Sonnenuntergänge: wunderbare Farben – purpur, rosa, orange und rot – über den
Abendhimmel gemalt.

Zu Hause ist dort, wo das Herz ist, und mein Herz ist in Sambia. Der große afrikanische Kontinent ist
mein Zuhause. Es gibt ein Sprichwort: „Wenn du afrikanischen Boden betreten hast, kannst du den Staub nie mehr von deinen Sandalen schütteln.“ Ich wurde in afrikanischem Staub „gewälzt“, und er hat unauslöschbare Spuren in mir hinterlassen.

Neues Zuhause in Deutschland?

Wenn ich über meine 18 Jahre in Afrika nachdenke, habe ich alles in jeder Richtung geliebt. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, sowohl in Sambia als auch in Kenia zu leben. Ich genieße das Internat mit
all den schönen Zeiten zusammen mit meinen Freunden und dem Sport. In Sambia schätze ich besonders die Zeiten mit meiner Familie, sie gehören zu den besten meiner Erinnerungen. Ich habe es genossen, so kontrovers aufzuwachsen in verschiedenen Kulturen. Es gab auch schwere Zeiten, aber Gott war treu und hat sich um mich gekümmert. Es war nie einfach, von zu Hause wegzugehen, in einem anderen Land die Schule zu besuchen. Manchmal war es sogar sehr schwer. Aber Gott hat mir in Zeiten des Heimwehs und des Abschiednehmens geholfen. Seit ich im Internat lebe, habe ich gelernt, meine Familie nicht als etwas Selbstverständliches zu sehen. Und wenn ich nach Sambia gehe, genieße ich jeden Augenblick mit ihr.

Wenn ich an meinen Schulabschluss im Juli denke, freue ich mich. Aber ich habe auch etwas Angst, weil ich meine Familie, Freunde, alles, was mir vertraut ist, und mein Zuhause verlassen werde, um in ein fremdes Land zu fremden Menschen zu ziehen. Wenn ich Smbia verlassen werde, das Land, in dem ich geboren bin und gelebt habe, frage ich mich, ob mir Deutschland, dessen Staatsangehörigkeit ich besitze,
je ein Zuhause werden kann.

Andrea Pflaum, geboren und aufgewachsen in Afrika, besucht bis Juli eine Internatsschule in Kenia. Nach ihrem Schulabschluss wird sie nach Deutschland ziehen, in das Heimatland ihrer Eltern, um dort ...

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